OSTR Aubeles Buch über Straß
Wissenschaftliche Forschung im Dienst der Heimat- und Landesgeschichte hat an unserer Schule Tradition. Zu Beginn des Jahrhunderts schon machte sich der damalige Direktor Dr. Friedrich Dorner einen Namen als Mitbegründer des Neu-Ulmer Historischen Vereins und als Leiter frühgeschichtlicher Ausgrabungen in unserer Gegend. Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg war es Studienrat Dr. Josef Rottenkolber, der als Verfasser zahlreicher Publikationen, besonders seines Hauptwerkes über die Geschichte des Allgäus im 19. Jahrhundert, bekannt geworden ist. Nach 1945 sind besonders Studienprofessor Anton Mang mit Arbeiten über die Geschichte Illertissens und das obere Schwaben sowie Studiendirektor Paul Brostean mit Veröffentlichungen über sudetendeutsche Orts- und Familiennamen zu nennen.
Heute vertritt am Gymnasium Neu-Ulm die historische Forschung in erster Linie Oberstudienrat Anton Aubele. Er begann bereits als Schüler, sich mit der Geschichte seines Heimatortes zu beschäftigen und studierte nach dem Abitur, das er an unserer Schule ablegte, an der Universität München Geschichte, Germanistik und Theologie. Während des abgelaufenen Schuljahrs erschien von ihm ein mit 395 Seiten im Großformat auch äußerlich gewichtiger Band über die Geschichte des Dorfes Straß bei Neu-Ulm. Beim Durchblättern bemerkt man sofort, daß die Darstellung eines kleinen und wenig bekannten Ortes nicht etwa geringere Ansprüche stellt als ein Buch über eine Stadt oder eine Landschaft. Das Aufsuchen und Auswerten der in Frage kommenden Quellen erfordert sowohl ausgedehnte Kenntnisse auf verschiedenen Gebieten – man denke etwa an die auftauchenden rechts- und wirtschaftgeschichtlichen Fragen – als auch spezielle Fähigkeiten, beispielsweise beim Entziffern alter Schriften oder dem Übertragen mittelalterlicher deutscher und lateinischer Texte. Zudem gibt es über Straß nur spärliche und den heutigen Anforderungen nicht mehr genügende Vorarbeiten. Die älteren schriftlichen Quellen für die Ortsgeschichte, die rund 750 Jahre ins Mittelalter zurückreichen, sind über nicht weniger als 11 Archive verstreut, Akten und andere Unterlagen aus dem 19. und 20. Jahrhundert mußten bei Behörden, Museen und Privatleuten ermittelt werden.